Klassischer Vorgang. Bei der Ankunft erhält man die CVs seiner Interviewer und wartet mit den anderen Kandidaten in der Eingangshalle. Erst Unternehmensvorstellung, die ein Manager, der nicht am Recruitingprozess beteiligt ist, hält. Wer also grundsätzliche Fragen hat, kann sie hier unbehelligt stellen.
Danach erstes Gespräch mit Personal Fit Fokus und kleinem Case. Darauf zwei Case-Interviews mit Fokus auf dem Case, eins auf deutsch und eins auf Englisch. Anschließend direkt Feedback, ob erste Stage gemeistert wurde oder nicht.
Zu meiner persönlichen Erfahrung:
Erstes Interview ziemlich standardmäßig, Standardfragen zur Motivation für Beratung und Bain, danach mehr Fragen nach Situationen, in denen man bestimmte Skills gezeigt hat (Führung, Kommunikation, Begeisterung etc) oder Schwierigkeiten ausgesetzt war. Case war entsprechend kurz und lief eher auf der strukturellen Ebene ab. Interviewer war nett und hat Interesse an der Persönlichkeit gezeigt.
Zweites Interview war tatsächlich meine schlimmste Interviewerfahrung bisher. Interviewer kam erst einmal knapp 10 Minuten zu spät, wirkte sehr gestresst und desinteressiert. Nach kurzer Vorstellung seinerseits wurde ich gebeten mich vorzustellen, wurde nach knapp 60 Sekunden abgewürgt, da ich das ja wohl schon dem Interviewer zuvor gesagt haben müsse (?!) und wir aus Zeitgründen jetzt zum Case kommen. Ist mMn für ein Unternehmen, das nach außen hohen Wert auf Personal und Cultural Fit legt und eine so harmonische interne Kollegialität propagiert ein absolutes No-Go. Die Case-Führung seitens des Interviewers war anschließend ebenfalls desinteressiert bis gelangweilt, Leute mit Case-Erfahrung werden wissen, dass eine erfolgreiche Case-Lösung meist auf einem konstruktiven Dialog basiert, das war bei mir praktisch nicht gegeben, entsprechend war dann auch die Performance. Das war vermutlich dann auch bereits der „Kill“. Zeit für das klassische Q&A war dann selbstverständlich nicht mehr.
Drittes Interview war positiv, sehr angenehmer Gesprächspartner. Zuerst 10-15 Minuten Personal Fit, danach interessanter Case, Mischung aus qualitativen und quantitativen Aspekten, anschließend noch ausgiebiger Q&A, so wie man sich die Interviewrunden vorstellt.
Das abschließende „ausführliche“ Feedback hatte ich dann, wie es der Zufall so will, mit Interviewer 2 und hat sich auf ganze 2 Minuten beschränkt und war auch entsprechend hilfreich.
Ich verstehe, dass man als Berater unter allgemeinem Stress steht und wenig Motivation für die Interviews aufbringen kann. Ob dass dann so fair gegenüber potentiellen Kandidaten ist, vor allem bei einem Unternehmen, dass sich insbesondere durch seine so harmonievolle Unternehmenskultur von den anderen Großen versucht zu differenzieren, sei jetzt mal dahingestellt. Auch bei positivem Ausgang hätte ich aufgrund der zweiten Interviewrunde Bain als Arbeitgeber vermutlich nicht mehr in Erwägung gezogen.
Zum gesamten Prozedere drum herum: Grundsätzlich professionell, reibungslos und schnell.