Ich wurde per Xing von einem Headhunter speziell für diese Stelle angesprochen, obschon ich mich in einem aktiven Arbeitsverhältnis befinde. Die Betreuung durch den Headhunter der Firma Mentis Consulting war durchgehend auf einem professionellen Niveau (zeitnahe Information, Vorbereitungsgespräche, etc.).
Zunächst gab es ein persönliches Vorgespräch nur mit dem Headhunter, welches in interessierter und professioneller Weise zu meiner Person geführt wurde. Anschließend folgten zwei Vorstellungsgespräche bei der Firma. Am ersten nahm die direkte Führungskraft, ein Vertreter des Personalbereichs und der Headhunter teil. Es wurde anfangs leider weder die Firma noch die Personen vorgestellt, sondern ich wurde direkt um meine eigene Vorstellung gebeten. Die Zwischenfragen waren teils recht provokativ gestellt und auf mich wirkte der Auftritt der Firma somit leicht überheblich. Gut fand ich, dass man sich Zeit für die Beantwortung meiner Fragen nahm, ich am Ende um meine Einschätzung gebeten wurde und diese - etwas diplomatischer formuliert - auch zur Kenntnis genommen wurde.
Am zweiten Gespräch in der Firma nahmen nur die direkte Führungskraft, der Headhunter und teilweise der CFO teil. Das Gespräch verlief wesentlich besser und hatte vor allem Fragen zur Fachkompetenz und zum Führungsverständnis zum Inhalt. Die Darstellung der Strategie Knaufs durch den CFO hat mich wenig überzeugt. Überrascht hat mich am Ende, dass es nun doch noch ein drittes Gespräch geben solle. Wenig Tage später erhielt ich ein positives Feedback durch den Headhunter, der mir zudem mitteilte, dass es einen weiteren Kandidaten gäbe, der jedoch erst noch das zweite Gespräch vor sich hätte und dieses urlaubsbedingt erst in drei Wochen stattfindet. Auf jeden Fall soll es mit mir danach ein drittes Gespräch geben.
Eine Woche nach dem Gespräch mit meinem Konkurrenten erhielt ich dann jedoch die glaubhafte Mitteilung über den Headhunter, dass die Firma - insb. der CFO - die Anforderung für die Stelle nun nochmals erhöht hat und allen bisherigen Kandidaten abgesagt wird, da Knauf plötzlich jemanden mit deutlich längerer Führungserfahrung für diese Stelle sucht als bisher. Ich habe mit ihm telefoniert und bin überzeugt, dass dies - fast möchte man sagen: leider - nicht nur vorgeschoben ist.
Ich hätte vermutlich sogar bei einer echten Ablehnung hier noch eine positive Bewertung hinterlassen, da der Prozess an sich bis dahin eher gut verlief und ich das anfangs etwas provokante Fragenstellen auf Absicht, die etwas über das Ziel hinausschoss, geschoben hätte. Aber diese Kehrtwende ist hochgradig unprofessionell und einer Firma mit hohem Anspruch, wie Knauf sich selbst sieht, absolut unwürdig.
Ich wünsche, dass dieses Feedback der Firma hilft, ihre Prozesse zu verbessern und sich von Anfang an über Anforderungen klar zu werden, bevor sie Kandidaten, die im Arbeitsleben stehen, einlädt und diese ihre Zeit und ihren Urlaub für einen unternehmerischen Selbstfindungsprozess verbrauchen.